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Vom Muster zur Möglichkeit: Wie Supervision festgefahrene Teamdynamiken löst

Manche Situationen kehren in einem Team immer wieder zurück, auch wenn schon mehrfach darüber gesprochen wurde. Derselbe Konflikt taucht in leicht veränderter Form erneut auf, ein Machtkampf flammt bei jeder neuen Aufgabenverteilung wieder auf, oder ein Team verfängt sich immer wieder in denselben Schuldzuweisungen. Oft stellt sich dann eine zentrale Frage: Was steckt eigentlich dahinter, wenn sich bestimmte Dynamiken so hartnäckig halten? Systemische Supervision setzt genau an dieser Stelle an, nicht beim einzelnen Vorfall, sondern bei dem Muster, das sich dahinter zeigt.

Wenn sich im Team immer wieder das Gleiche wiederholt

In Teams, die unter Druck stehen, lassen sich häufig erkennbare Wiederholungen beobachten. Ein Konflikt entzündet sich immer wieder zwischen denselben Personen oder in ähnlichen Situationen. Ein Machtkampf um Zuständigkeiten oder Ressourcen kehrt bei jeder neuen Herausforderung zurück. Manche Teams geraten in eine regelrechte Problemtrance, in der jedes Gespräch um dieselbe Schwierigkeit kreist, ohne dass sich ein Ausweg zeigt. Andere reagieren auf Rückschläge fast automatisch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Auffällig ist dabei weniger der einzelne Anlass als die Wiederholung: Dieselbe Dynamik zeigt sich immer wieder in ähnlichem Gewand, auch wenn das konkrete Thema jedes Mal ein anderes ist.

Der erste Schritt: Muster erkennen statt nur Symptome behandeln

Eine zentrale Aufgabe von Supervision besteht darin, genau diese Wiederholungen sichtbar zu machen. Die leitende Frage lautet dabei: Was wiederholt sich hier eigentlich? Dieser Blick unterscheidet sich deutlich von einem Gespräch, das nur den aktuellen Streitpunkt klärt. Solange das zugrunde liegende Muster unentdeckt bleibt, zeigt es sich im nächsten Konflikt in ähnlicher Form wieder, selbst wenn das konkrete Thema ein völlig anderes ist.

Die entscheidende Frage: Welche Funktion hat dieses Muster?

Ist ein Muster erst einmal erkennbar, folgt aus supervisorischer Sicht ein zweiter, ebenso wichtiger Schritt: Hypothesen darüber zu bilden, welche Funktion es innerhalb des Teams erfüllt. Diese Perspektive hat ihre Wurzeln in der systemischen Familientherapie, in der die Hypothesenbildung seit jeher ein zentrales Werkzeug ist, um das Verhalten eines Systems zu verstehen, statt es vorschnell zu bewerten.

Warum auch belastend wirkende Muster einen Sinn erfüllen

Ein Muster, das von außen destruktiv wirkt, erfüllt innerhalb eines Teams meist eine Funktion, auch wenn diese nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ein wiederkehrender Machtkampf kann zum Beispiel dazu beitragen, dass unklare Zuständigkeiten überhaupt erst sichtbar werden. Eine Problemtrance kann ein Team davor bewahren, sich mit einer noch unangenehmeren Frage auseinanderzusetzen, etwa nach der eigenen Selbstwirksamkeit oder nach Entscheidungen, die eigentlich an anderer Stelle getroffen werden müssten. Schuldzuweisungen können vor dem schwierigeren Gefühl schützen, dass eine Situation nicht von einer einzelnen Person allein zu verantworten ist. Solche Annahmen sind Hypothesen, keine feststehenden Wahrheiten. Aber sie eröffnen einen wertschätzenden Zugang zu einem Verhalten, das sonst schnell als Fehlverhalten Einzelner oder als Etikett eines „schwierigen Teams" abgestempelt würde.

Typische Muster in Teams

Konfliktdynamiken zwischen einzelnen Personen, Machtkämpfe um Zuständigkeiten, eine kollektive Problemtrance, in der sich alles nur noch um das Hindernis dreht, und wechselseitige Schuldzuweisungen gehören zu den Mustern, die mir in der Arbeit mit Teams immer wieder begegnen. Sie öffnen im Alltag gern Nebenschauplätze und binden Energie, die eigentlich für die fachliche Arbeit gebraucht wird.

Wertschätzung statt Bewertung: die Haltung in der Supervision

Aus dieser Haltung heraus lässt sich einem Team etwas Wichtiges vermitteln: Ein Muster zu haben bedeutet nicht, ein schwieriges oder dysfunktionales Team zu sein. Jedes Muster hat eine Funktion, auch wenn es im Moment belastend wirkt. Diese Sichtweise nimmt einer Situation viel von ihrer Schärfe, in der Teams sich sonst leicht selbst infrage stellen oder sich gegenseitig Vorwürfe machen. Sie schafft stattdessen die Grundlage dafür, offen über eine Dynamik zu sprechen, die bislang eher stillschweigend hingenommen oder als unveränderlich erlebt wurde.

Muster irritieren, nicht abwerten

Aus der Hypothese über die Funktion eines Musters ergibt sich die eigentliche Aufgabe der Supervision: das Muster zu irritieren, nicht es zu bewerten oder abzustellen. Irritation bedeutet hier, dem Team seine eigene Dynamik so zur Verfügung zu stellen, dass es sie neu betrachten kann. Kennt das Team dieses Muster von sich selbst? In welchen Situationen taucht es typischerweise auf? Was passiert kurz bevor es einsetzt? Solche Fragen öffnen einen Raum, in dem ein Team beginnt, sein eigenes Verhalten mit einem gewissen Abstand zu betrachten, statt unmittelbar darin verstrickt zu sein.

Wie ein Team lernt, sein eigenes Muster zu unterbrechen

Sobald ein Team sein Muster einmal erkannt und benannt hat, verändert sich häufig bereits einiges: Aus einer unbewussten Wiederholung wird eine Situation, die sich beobachten und ansprechen lässt. Das Team gewinnt dadurch die Möglichkeit, gezielt an den Stellen anzusetzen, an denen sich das Muster üblicherweise verfestigt, und eigene Wege zu entwickeln, um konstruktiver miteinander umzugehen. Entscheidend ist dabei, dass diese Wege aus dem Team selbst kommen und zu seiner konkreten Situation passen, statt von außen vorgegeben zu werden.

Der Unterschied zu Vorgaben von außen: mit dem Team arbeiten statt über das Team zu bestimmen

Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von einer Beratung, die einem Team vorgibt, wie es sich künftig verhalten soll. Aus meiner Sicht liegt genau darin ein Kern von Supervision: Niemand kommt von außen und sagt einem Team, was richtig oder falsch ist. Stattdessen wird mit dem gearbeitet, was bereits da ist, und mit den Ressourcen, die ein Team ohnehin mitbringt. Das eigene Muster zu erkennen und zu verstehen, ist damit nicht der Abschluss eines Prozesses, sondern der Ausgangspunkt für eine Entwicklung, die vom Team selbst getragen wird.

Fazit

Muster, die sich in einem Team immer wieder zeigen, sind selten Ausdruck eines grundsätzlichen Problems. Sie erfüllen innerhalb des Systems eine eigene Funktion, auch wenn sie im Alltag belastend wirken. Diese Funktion zu verstehen, statt das Muster vorschnell zu bewerten, eröffnet einem Team die Möglichkeit, es bewusst wahrzunehmen und Schritt für Schritt zu verändern. Genau hier kann Teamsupervision ansetzen: Sie schafft den Raum, in dem sich eingefahrene Dynamiken zeigen, verstehen und schließlich auch unterbrechen lassen. Für Einrichtungen, Vereine und Teams in Essen und Nordrhein-Westfalen, die in solchen Mustern feststecken, kann das ein wirkungsvoller Ansatzpunkt sein, um wieder konstruktiver zusammenzuarbeiten.

Führungskräfte, die selbst mit den Auswirkungen solcher Muster ringen oder in einer angespannten Teamsituation schwierige Entscheidungen treffen müssen, finden auf der Seite zu meinem Führungskräftecoaching weitere Unterstützung. Mehr zu meinem systemisch-konstruktivistischen Vorgehen erfahren Sie auf der Seite Zur Person. Wie Teamdynamiken auch mit Fluktuation und Belastung im Team zusammenhängen können, beschreibe ich in einem weiteren Beitrag zu Fluktuation und Belastung im Team.

Bei Interesse an einem Einstieg in die Teamsupervision können Sie mich gerne per E-Mail kontaktieren.

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